Als wir im Oktober vergangenen Jahres davor warnten, sich jetzt vom Goldrausch anstecken zu lassen, wiesen wir darauf hin, dass auch bei Gold von Kurskorrekturen auszugehen ist, wenn die Euphorie an den Märkten überhand nimmt. Ende Februar war es soweit. Innerhalb eines Monats korrigierte der Kurs um knapp 15 Prozent. Der Silberpreis fiel sogar um über 25 Prozent. Trotzdem wird Gold nicht zum Risiko.
Was den Kursverfall auslöste
Nach den extremen Übertreibungen an den Edelmetallmärkten war eine Gegenbewegung schon zu erwarten. Auslöser für die letzte deutliche Korrektur war der völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf den Iran durch Israel und die USA. Dieser setzte den Ölmarkt massiv unter Druck und führte in der Folge auch zu einer deutlichen Risikoaversion an den Wertpapiermärkten. Warum aber bewährte sich Gold diesmal nicht als Krisenpuffer?
Um das zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass Stresssituationen eine ganz Reihe von Wechselwirkungen in der Finanzwelt auslösen können. Wenn plötzlich die Kurse an den Wertpapiermärkten fallen, dann ist davon auch ein riesiger Derivatemarkt betroffen, an dem mit gehebelten Produkten gehandelt wird. Plötzliche Einbrüche am Markt werden hier noch verstärkt und zwingen Marktteilnehmer Positionen aufzulösen oder Sicherheitsleistungen nachzuschießen. Dazu werden gerne Edelmetalle als Cashreserve genutzt. Umfangreiche Verkäufe lösen dann auch in diesem Markt Kursverfälle aus. Dies war beispielsweise auch zu Beginn der Coronakrise in 2020 der Fall. (Siehe Grafik)

Kein Grund zur Panik
Erfahrungsgemäß halten solche anfänglichen Verluste bei Edelmetalle nur wenige Wochen an, weil Krise dann auf breiter Front in die Märkte „eingepreist ist“. In der Folge kommt es darauf an, ob Analysten die Entwicklung als kurzfristige Erscheinung einstufen (wie bei Corona) oder ob eine schwerwiegende Krise erwartet wird, die vielleicht Jahre andauert.
Im ersten Fall erholen sich auch die Aktienwerte schnell wieder und können innerhalb eines Jahres wieder auf Vorkrisenniveau zurückkehren. Oft erreichen sie sogar neue Höchststände. Im zweiten Fall kommt es zu einer lang anhaltenden Flaute an den Aktienmärkten. Investoren fliehen in Cashpositionen, festverzinsliche Anlagen oder eben Edelmetalle. So oder so entfaltet Gold als Krisenpuffer dann wieder seine Wirkung.
Es besteht deshalb jetzt kein Grund, sich von Gold und Silber zu trennen. Wer eine sinnvolle strategische Quote noch nicht erreicht hat, kann den Kursverfall für Zukäufe nutzen. Bei regelmäßigen Sparplänen wird automatisch mit sinkendem Kurs das Einkaufsvolumen erhöht und damit die Anlage optimiert.
Die jetzt steigenden Energiepreise dürften sich übrigens auch positiv auf Investments im Energiebereich aus wirken, die im vergangenen Jahr benachteiligt waren. Ein resilientes Portfolio entsteht nicht durch hektisches Handeln in Krisenzeiten sondern eine vernünftige Diversifizierung.