Kurz vor Jahresende hat die Regierungskoalition die lang erwartete Riester-Reform verabschiedet. Sie verspricht ab 2027 mehr Ertragschancen und mehr Flexibilität. Sie begünstigt aber auch eher Gutverdienende und verlagert das Risiko stärker auf die Versicherten. Eine vorläufige Bilanz der Riester-Reform.
Durchbruch oder Rückschritt?
Angesichts tendenziell sinkender Zinsen hatten viele Verbände für Riestertarife schon länger eine Lockerung der Beitragsgarantie gefordert. Diese war nach Kosten schon einige Jahre nur noch für wenige Anbieter darstellbar, denn aufgrund der komplexen Meldepflichten und regelmäßiger An-passungsvorgänge war die Zulagenrente – wie sie technisch korrekt heißt – mit einem erhöhtem Verwaltungsaufwand belastet.
Das neue Modell sieht nun ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot ohne Garantie vor, das höhere Renditechancen ermöglichen soll und eine flexiblere Auszahlung bis zum 85. Lebensjahr erlaubt. Die monatliche Rente kann sich dadurch potenziell erhöhen. Das Risiko der Anlage und einer lebenslangen Versorgung verlagert sich jedoch dadurch jedoch auch auf die Versicherten.
Besserverdienende begünstigt
Auch die Vereinfachung des Fördersystems und damit des Verwaltungsaufwands hat zwei Seiten:
Die prozentuale Berechnung der Zulage auf Basis des Eigenbeitrags erleichtert zwar die Berechnung der Förderung. Eine Überprüfung und Anpassung an das sozialversicherungspflichtige Einkommen entfällt.
Die Umstellung der Förderung begünstigt aber tendenziell Besserverdienende, die ohnehin eher eine Affinität zur Kapitalanlage haben.
Konkret werden auf die ersten 1.200 Euro Eigenbeitrag in Zukunft 30% Zulage gezahlt. Auf die nächsten 600 Euro noch maximal 20%. Wer die volle Kinderzulage erhalten will muss dann mindestens 1.200 Euro jährlich einzahlen. Gerade Geringverdiener, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, sind dadurch benachteiligt.
Wer viel (Finanzspielraum) hat, dem wird viel gegeben. Ein solches Modell wird das Auseinanderdriften zwischen arm und reich eher verschärfen als abbauen.
Inflationierung des Anlagemarktes
Wie jede staatlich geförderte Anlage in Wertpapieren sorgt auch dieses Modell für eine weitere Inflationierung der Kapitalmärkte. Denn der zusätzliche Geldfluss in die Kapitalmärkte treibt die Kurse völlig unabhängig von realwirtschaftlichen Entwicklungen in die Höhe. Die damit verbundene latente Überbewertung des breiten Aktienmarktes erhöht somit auch Korrekturrisiken.
Eine vorläufige Bilanz der Riester-Reform ist aus unserer Sicht daher eher negativ zu bewerten. Ein Durchbruch ist es mit Sicherheit nicht.