Im Juni stellte das Forum Nachhaltige Geld-anlagen (FNG) zum zwanzigsten Mal seinen Marktbericht für Nachhaltige Geldanlagen vor. Rein quantitativ bleibt der Markt trotz Gegenwind stabil. Nominal konstatiert der Bericht sogar weiteres Wachstum. Interessanter sind qualitative Entwicklungen und unterschiedliche Ansprüche im Publikumsmarkt verglichen mit institutionellen Investoren. Während im Publikumsbereich die Aversion gegen Rüstungsinvestments zugenommen hat, verfolgen institutionelle Investoren tendenziell eher opportunistische Anlagestrategien.
Geopolitische Spannungen als wichtigstes Hemmnis
Wie im vergangenen Jahr enthält der Bericht wesentliche Kennzahlen für Deutschland und Österreich. Stichdatum der Erhebung war der 31.12.2025. Der Bericht enthält neben einer kompakten Darstellung von harten Daten eine Vielzahl von Erhebungen, die sich auf Einschätzungen der Marktteilnehmer beziehen. Wenig überraschend werden unter anderem geopolitische Spannung als wichtigstes Hemmnis für die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen identifiziert.

(in Prozent; N: 75) – Quelle: FNG Marktbericht 2026
Verschiedene Blickwinkel auf den Markt
Während die Daten für Österreich als repräsentativ für den Markt gelten können, da sie fast den ganzen Markt nachhaltiger Anlageprodukte abdecken, gilt das für Deutschland nur bedingt, da nur etwa ein Fünftel des Fondsmarktes mit der Umfrage abgedeckt wird.
Während die Untersuchung in Österreich weit überwiegend Publikumsfonds umfasst, stellen diese in Deutschland nur etwa ein Viertel des erfassten Anlagemarktes dar. Die Daten aus Deutschland spiegeln also eher den Profimarkt wieder, während die österreichischen Daten sich auf den breiten Endkundenmarkt beziehen.
Die Dominanz institutioneller Investoren in Deutschland lässt sich auch anhand einer deutlich niedrigeren Aktienquote im untersuchten Bestand belegen. Sie liegt bei etwa 12% (Österreich: 40%)
Stabiler Markt
Nach Angaben des Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) belaufen sich die Gesamtvolumina von Publikums- sowie Spezialfonds (Artikel 8 und 9) in Deutschland Ende 2025 auf 1.253 Mrd Euro, was nominal gegenüber 2024 weiteres Wachstum impliziert. Ein Teil lässt sich auf Kurssteigerungen zurückführen. Teilweise dürfte auch eine Umdefinition konventioneller Fonds stattgefunden haben. Bedeutende Neuemissionen gab es nach unserer Kenntnis nicht. Jedenfalls aber kann der nachhaltige Fondsmarkt als stabil bezeichnet werden
Qualitative Verschiebungen
Interessanter sind deshalb eher die qualitativen als die quantitativen Ergebnisse des Berichtes. Die Anlagestrategien sind zwar im Wesentlichen unverändert. Am meisten Gewicht haben einzelne Ausschlüsse, am wenigsten direkte Impact-Strategien. Es gibt jedoch qualitative Verschiebungen im Detail.
Impactansätze haben deutlich abgenommen. Hier spiegelt sich möglicherweise der zunehmende Kostendruck wieder, da Impact-Strategien mit erheblichem Messaufwand verbunden sind. Auch die Kosten für Engagement und Stimmrechtsausübungen in den Aktionärsversammlungen werden in beiden Ländern zu-nehmend gemieden.

Opportunistische Anlagestrategien
Es gibt auch eine tendenzielle Verlagerung der Schwerpunkte bei den Ausschlüssen. Während Korruption in Deutschland 2025 stärker gewichtet wurde, nahm die Bedeutung von Waffen und Rüstung ab. In Österreich war es dagegen genau umgekehrt. Hier offenbart sich wohl ein Unterschied zwischen den Ansprüchen von institutionellen und privaten Investoren.
Während in Österreich 86% der ESG-Fonds Rüstung ausschlossen mit steigender Tendenz, war das in Deutschland nur noch bei 62% der Angebote der Fall bei fallender Tendenz. „Experten“ verfolgen offensichtlich eher opportunistische Anlagestrategien als das breite Publikum. Deutlich gesunken in beiden Ländern ist der Ausschluss von Kernenergie. Die akute Energiekrise liegt als Erklärungsansatz nahe.