Das Jahr begann mit einer weiteren völkerrechtswidrigen militärischen Intervention. Nach den monatelangen Vorbereitungen inklusive Exportblockade und Beschlagnahme von Öltankern kam diese geopolitische Eskalation allerdings nicht wirklich überraschend.
Sie führte sofort zu Kurssprüngen bei US-amerikanischen Ölkonzernen, Rüstungsunternehmen und nicht zuletzt bei Gold als ultimativer Krisenversicherung.
Die offiziellen Begründungen sind so einfältig wie eh und je. Insbesondere vor dem Hintergrund der Verwicklung der CIA in den internationalen Drogenhandel lohnt es gar nicht, darauf näher einzugehen. Wir können davon ausgehen, dass es um Rohstoffe geht – insbesondere die weltgrößten Erdölreserven – sowie die strategische Kontrolle des südamerikanischen Kontinentes.
Die unmittelbaren Auswirkungen der Operation sind noch überschaubar. Die venezolanische Regierung ist nach wie vor im Amt, das Parlament nicht aufgelöst. Militär und wichtige Medien bleiben unter heimischer Kontrolle. Venezuela besitzt zwar große Reserven. Aufgrund der maroden Infrastruktur ist der Anteil von Caracas am weltweiten Ölhandel jedoch gering. Kurzfristig wird sich daran auch nichts ändern. Jahrelange Sanktionen waren hier ausnahmsweise mal sehr wirksam.
Es geht also eher um mittel- bis langfristige strategische Interessen. Das Signal zielt in Richtung BRICS – insbesondere auf geplante Investitionen Chinas zur Sicherung und Diversifizierung der eigener Rohstoffversorgung. Natürlich sind auch die Interessen US-amerikanischer Konzerne ein Thema und die Stützung des Petro-Dollars. Die Verbindung der Politik mit direkter Beschlagnahme von Schiffen in internationalen Gewässern wirkt allerdings wie aus der Zeit gefallen.
Was zunächst wie ein Ausdruck von Stärke wirkt ist in Wirklichkeit ein Zeichen von Schwäche. Die erneute Missachtung des Völkerrechts und diverser internationalen Konventionen entspringt dem verzweifelten Versuch den Petro-Dollar als Leitwährung zu retten. Diese moderne Piraterie wird die Legitimation der US-dominierten „regelbasierten Ordnung“ weiter aushöhlen. Die zunehmende Aggressivität der US-amerikanischen Außenpolitik, die auch Grönland schon länger ins Visier genommen hat, dürfte jedoch tendenziell eher gegenteilige Wirkungen auslösen. Sie wird weitere Länder zu der Überzeugung bringen, dass nur eine multipolare Weltordnung ihnen eine faire Chance auf eigene Entwicklung bietet. 2026 wird für nachhaltig orientierte Anlegerinnen und Anleger jedenfalls nicht weniger herausfordernd als 2025.