Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg in den letzten Jahren deutlich an. Dafür gibt es im Einzelfall sehr unterschiedliche Gründe. In vielen Fällen haben in Deutschland gestiegene Energiekosten und regulatorische Vorgaben zu einer Überlastung insbesondere von Kleinbetrieben geführt. Es gibt zudem einige Fälle fragwürdiger Unternehmensführung. Auch nachhaltige unternehmerische Beteiligung beinhalten Verlustrisiken. Zwei grüne Insolvenzen haben uns im Februar besonders beschäftigt.
Nachhaltige Unternehmen stabiler
Zwar zeigen immer wieder breit angelegte Studien, dass Unternehmen mit starker ESG-Performance erfolgreicher und stabiler am Markt sind. Laut einer Analyse aus 2024 unter 500.000 Unternehmen haben sie ein nur halb so hohes wirtschaftliches Risiko im Vergleich zur Normalverteilung in den untersuchten Ländern. Das gilt insbesondere für genossenschaftliche Unternehmen, die der zusätzlichen Überwachung eines Genossenschaftsverbandes unterliegen. Dennoch können auch Unternehmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell in Schieflage geraten oder scheitern.
Der Fall ThomasLloyd
Am 20. Februar hat das Amtsgericht Lingen auf Antrag betroffener Anleger über drei Unternehmen der ThomasLloyd-Gruppe das Insolvenzverfahren eröffnet. Diese waren im Bereich der Finanzierung sogenannter Cleantech-Infrastruktur, insbesondere Solaranlagen und Biomassekraftwerke in Indien und den Phillipinen aktiv. Auch wir erhielten von ThomasLloyd regelmäßig Prospekte zu Anlageangeboten, die wir aber wegen der intransparenten Unternehmensstruktur und Mangels Plausibilität nie vermittelten.
Misstrauisch machte uns zudem, dass das Unternehmen zweistellige Millionenbeträge für das Management einzelner Gesellschaften ausgab. Das Fachportal Ecoreporter warnte immer wieder vor den hohen Risiken der Fonds. Der Europa-Chef von ThomasLloyd wurde nun am 29. Februar in der Schweiz verhaftet. Betroffen sind hier mehrere tausend Anlegerinnen, die mehr als 500 Millionen Euro in Finanzprodukte von ThomasLloyd investiert haben. Das Handelsblatt spricht sogar potenziell von Anlagegeldern in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.
Der Fall Planet U
Weniger spektakulär, aber für Anlegerinnen ebenso schmerzhaft könnte die Insolvenz einer operativen Tochtergesellschaft der Planet U (ehemals: Vereinte Energiegenossenschaft) enden. Rund 450 Mitglieder hatten der Genossenschaft seit 2013 knapp 7 Mio Euro Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Wir hatten die Beteiligung an der Genossenschaft jahrelang empfohlen, weil das ursprüngliche Geschäftsmodell mit erdgasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nicht nur hinsichtlich Energieeffizienz sondern auch wirtschaftlich überzeugte. Kontinuierlich schüttete die Genossenschaft zwischen 3 und 6 Prozent im Jahr an die Mitglieder aus.
Das Modell war durch den Ukraine-Konflikt und die nachfolgende Gas-Krise ins Wanken geraten. Die Genossenschaft bemühte sich um eine Umstellung auf Elektromobilität als Geschäftsfeld und modernisierte auch den Außenauftritt. Das gelang offensichtlich nicht im erforderlichen Tempo, so dass die operative Tochtergesellschaft am 18. Februar Insolvenzantrag stellen musste. Damit ist auch die Genossenschaft selbst in Gefahr. Ob sie mit frischem Kapital gerettet werden kann ist zur Zeit noch offen. Für die Genossenschaft spricht, dass sie hier proaktiv handelte und nicht erst auf eine gerichtliche Anordnung wartete.
Fazit
Die beiden Beispiele zeigen, dass trotz geringerer statistischer Wahrscheinlichkeit auch nachhaltige unternehmerische Beteiligungen das Risiko großer Verluste beinhalten. Sie sollten deshalb immer nur Teil einer breit diversifizierten Anlagestrategie sein.