Die Zeit der Unsicherheit, die wir im vergangenen Jahr aufziehen sahen, dürfte auch im neuen Jahr anhalten. Ein Grund zur Panik besteht allerdings nicht. Durchwachsene Entwicklungen an den Kapitalmärkten lassen sich am besten mit einem gut gestreuten Portfolio und regelmäßigem Rebalancing überstehen. Volatilitäten können Anlegerinnen und Anleger durch ratierliche Anlagestrategien bewältigen.
Europa sitzt in der Falle
Das Jahr 2025 zeichnete sich durch eine sehr heterogene und teilweise widersprüchliche Entwicklungen der Kapitalmärkte und Anlageklassen aus. Während es auf globaler Ebene durchaus dynamisches wirtschaftliches Wachstum gab, hinkte Europa deutlich hinterher. Dies war nicht zuletzt der anhaltenden Konfrontationspolitik mit Russland geschuldet. Europa sitzt sozusagen in einer selbst gebauten Alternativlosigkeitsfalle.
Zudem belastete die US-Zollpolitik die stark exportabhängige Wirtschaft. Durch Kreditaufnahme finanzierte Investitionen konnten diese Entwicklung bislang nicht kompensieren. Zwar schwächte sich die US-amerikanische Wirtschaft trotz massiver Investitionsanreize und Schutzzölle tendenziell ebenfalls ab. Dies schlug jedoch nicht unmittelbar auf die Börse durch, weil eine schrittweise Senkung der Leitzinsen für Entlastung sorgte.
Der US-Markt bleibt überbewertet
Die historisch überbewerteten US-Aktienmärkte, die Anfang des Jahres zu einer deutlichen Korrektur führten, stabilisierten sich im Zuge der Zinssenkungen wieder. Im Gegenzug verlor der Dollar jedoch gegenüber dem Euro an Kaufkraft. Das Handelsbilanz-Defizit wurde durch die drastischen Interventionen zwar etwas reduziert blieb aber weiterhin negativ. Die veröffentlichten Zahlen hinken der Realität zudem deutlich hinterher. Eine schnelle Lösung der Schuldenproblematik ist trotz der Zinssenkung ebenfalls nicht zu erwarten. Das heißt: Sowohl die Höhe der Schulden als auch die laufenden Aufwendungen für Zinsen steigen weiter. Institutionelle Investoren trennen sich zunehmend von US-Treasuries.

Die „Märkte“ reagierten auf dieses Dilemma mit einer Flucht in Edelmetalle, die einen außerordentlichen Boom verzeichneten. Gold legte 2025 etwa 50%, Silber sogar 140% zu.
Kursfantasien um KI-Euphorie
Dazu trug wohl auch die Verwendung von Silber im IT-Bereich bei. Die KI-Euphorie löste auch im dominanten US-IT-Sektor Kursfantasien aus. Der Deep-Seek-Schock deutete aber bereits an, dass die erwartete Gewinne alles andere als sicher sind.
Es ist deshalb trotz der teilweise monopolistischen Gegebenheiten weiterhin mit einer sehr volatilen Entwicklung im Tech-Sektor zu rechnen. Auch wenn die Situation nicht direkt mit dem Platzen der Dotcom-Blase in 2000 vergleichbar ist, gibt es aufgrund der geopolitischen Großwetterlage weitere erhebliche Belastungsfaktoren. Zu den Konfliktzonen im Nahen Osten und in der Ukraine sowie um Taiwan kam noch eine weitere in Lateinamerika hinzu.
Energiemärkte unter Druck
Die Energiemärkte und die damit zusammenhängende Infrastruktur blieben aufgrund der deutlich gesunkenen Ölpreise unter Druck. Das betraf den Bereich Erneuerbarer Energien ebenso. Die hohen Bewertungen im Zuge der konfliktbedingten Energiepreissteigerungen wurden korrigiert und führten zum Beispiel beim Pangaea Blue Energy Fonds erstmals zu einem deutlich negativen Jahresabschluss.
Schwellenländer am attraktivsten
Schwellenländer erwiesen sich noch am attraktivsten für Investitionen. Sie profitieren sowohl von wachsender Binnennachfrage als auch von der Kapitalflucht aus Krisenregionen und vor Sanktionsmaßnahmen. Das galt sowohl für Anleihen als auch Aktien.
Letztere übertrafen in 2025 erstmals seit langem wieder die Industriemärkte. Für Anleihen war das schon etwas länger der Fall. Europäische und US-Anleihen sind aufgrund politische Unsicherheit und Sorgen um die zunehmenden Schulden belastet. Entsprechende Rentenfonds profitieren jedoch „technisch“ noch von fallenden Zinsen.
Ausblick & Empfehlungen
Insgesamt prägten durchwachsene Entwicklungen das Jahr 2025. In diesem Umfeld ist weniger Spekulation als konsequente Diversifizierung des Portfolios gefragt. Regelmäßiges Rebalancing der Anlage hält das Portfolio auf Kurs.
Die Rolle von Gold und Silber als Krisenpuffer bleibt unverändert wichtig – mit zunehmender Bewertung steigt aber auch hier das Korrekturrisiko – deshalb ist auch hier die Einhaltung der strategischen Quote wichtig. Neueinstiege erfolgen am besten über Sparpläne.
Im Zweifelsfall raten wir in volatilen Zeiten eher zu ratierlichen Anlagestrategien als zu Einmalanlagen. Kurzlaufende Anleihen und Geldmarktfonds bieten sich als Wartepositionen an. Die Korrekturen im Bereich energetischer Infrastruktur bieten sich für einen Einstieg oder die Aufstockung von Positionen an. Energie bleibt ein Basisinvestment.