Widerstände gegen das Vergütungspaket für Elon Musk
Nachdem der Norwegische Pensionsfonds sich im Vorfeld von Tesla’s Jahreshauptversammlung öffentlich gegen ein opulentes Vergütungspaket für Elon Musk ausgesprochen hatte, gab es Irri-tationen in der Finanzwelt. Morgan Stanley prognostizierte einen Kursrückschlag von 10% im Falle einer Ablehnung. Anfang des Jahres hatte sich der Börsenwert von Tesla mehr als halbiert, danach aber sukzessive wieder erholt. Viele Nachhaltigkeitsfonds außerhalb des ETF-Segments hatten sich schon früher von dem umstrittenen Aktienwert getrennt. Die Ratingagentur ISS, die auf Nachhaltigkeitsbewertung spezialisiert ist, hatte sich ebenfalls gegen das Paket ausgesprochen. Die Diskussion um exzessive Vergütungen schlug große Wellen.
Die größten Anteilseigner von Tesla, BlackRock, Vanguard und State Street hielten sich vor Beginn der Hauptversammlung am 6. November bedeckt. Die australische Vorstandsvorsitzende von Tesla, Robyn Denholm warnte indessen davor, dass Musk die Firma verlassen könnte, sollte das Vergütungspaket abgelehnt werden.
Die Debatte jenseits der Personalie
Was zunächst wie eine auf die Person Elon Musk fokussierte Debatte wirkte, war in Wirklichkeit Ausdruck eines schon länger schwelenden Unbehagens. Exzessive Managervergütungen und Machtkonzentration sind zwar im durchkapitalisierten US-amerikanischen Wirtschaftssystem nicht unüblich. Sie werden aber zunehmend nicht mehr als Garant einer sinnvollen bzw. nachhaltigen Unternehmensentwicklung wahrgenommen. Sie setzen fragwürdige Anreize, die eher auf ein Treiben von Börsenkursen zielen, als auf substanziellen Unternehmenswert.
Dabei gibt es kaum überzeugende empirische Belege, dass exzessive Managementvergütungen die Entwicklung eines Unternehmens fördern. Viele Studien deuten auf neutrale bis negative Effekte im Hinblick auf Wertschöpfung, Innovation und Nachhaltigkeit hin. Hohe Vergütungen ziehen nicht intrinsisch motiviertes Personal an, sondern eher Manager, die ein Interesse an einer hohen Vergütung haben. Es gibt diverse Fälle von Bilanzfälschungen, denen durch derartige Anreize Vorschub geleistet wurde. Eine sinnvolle, an ganzheitlichen und langfristigen Zielen orientierte Vergütungsstruktur ist sinn-voller, als überzogene Gehälter und Boni, die sich am Börsenkurs orientieren. Manche Studien legen darüber hinaus einen Zusammenhang mit unangemessenem Risikoverhalten von Finanzakteuren und Finanzkrisen nah.
Diskussion geht weiter
Bei Tesla stand also eine strategische Entscheidung an, die potenziell sowohl andere Technologiewerte also auch generell Aktiengesellschaften tangieren würde. Analysten befürchteten eine mögliche Ausweitung kritischer Debatten um Managementgehälter und Corporate Governance. In anderen Worten: Ein negatives Votum drohte, das ganze auf Börsenwerte fokussierte US-Finanzsystem in Frage zu stellen. Daran konnten zumindest die großen US-Kapitalgesellschaften kein Interesse haben.
Das Ergebnis der Abstimmung am 6. November war insofern fast vorhersehbar. Das Paket für Musk wurde mit über 75% Zustimmung gebilligt. Bis Freitag Abend brach der Börsenkurs dennoch um knapp 10% ein. Die Diskussion um exzessive Vergütungen in Aktiengesellschaften wird weitergehen.