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Auf Kurs bleiben

9. Februar 2026

Nachhaltige Geldanlagen standen in den letzten Jahren unter großem Druck. Mit der Triodos Bank will eine der bekanntesten Nachhaltigkeitsbanken den deutschen Markt verlassen. In der öffentlichen Risikowahrnehmung treten ökologische Themen immer mehr in den Hintergrund.
Nicht zuletzt sorgten Greenwashing und eine inkonsistente Regulierung auf EU-Ebene eher für nachlassendes Interesse bei ESG-Fonds. Warum „Auf Kurs bleiben“ dennoch die richtige Strategie ist.

Nachhaltige Geldanlagen unter Druck

Anlegerinnen, die sich in den letzten Jahren dem Boom der Rüstungsindustrie bewusst entzogen mussten deutliche Nachteile in Kauf nehmen. Allenfalls konnte die stärkere Gewichtung US-amerikanischer IT-Konzerne oder die Beimischung von Edelmetallen im Portfolio einen gewissen Ausgleich schaffen. Streng gemanagte Nachhaltigkeitsfonds waren ansonsten hinsichtlich Wertentwicklung dem konventionellen Markt deutlich unterlegen.

Das Vertrauen in einen breiten politischen Konsens hinsichtlich globaler Nachhaltigkeitsziele wurde nicht zuletzt durch die US-amerikanische Realpolitik erschüttert. Friedenssicherung, soziale Sicherheit und Migration verdrängten zunehmend ökologische Themen. Zudem war das Wachstum früherer Jahre oft mit Greenwashing verbunden. Dementsprechend sank das Volumen nachhaltiger Pu-blikumsfonds in Deutschland nach Untersuchungen des Fachverbandes FNG entgegen dem allgemeinen Markttrend von 317,2 Mrd in 2022 auf 241,7 Mrd in 2024.

Inkonsistente EU-Regulierung

Dazu dürften auch die komplizierten Vorschriften der Europäischen Union für die Anlegerberatung beigetragen haben. Von der internationalen Standardisierung bei Nachhaltigkeitskriterien hatten sich viele einen einen Schub für den nachhaltigen Anlagemarkt erwartet. Die inkonsistente Mischung aus strenger Namensregulierung bei gleichzeitiger Aufweichung von Anlagekriterien und komplizierten Beratungsanforderungen sorgte stattdessen eher für Zurückhaltung.

Das dynamische Wachstum früherer Jahre war außerdem zu einem nicht unerheblichen Teil das Ergebnis bloßer Umdeklarierung bereits existierender konventioneller Fonds. Insbesondere die meisten vermeintlich nachhaltigen börsengehandelten Indexfonds erweisen sich bei genauer Betrachtung als kostengünstiges Greenwashing.

Dass vor dem Hintergrund des herausfordernden Marktumfelds mit Triodos selbst eine der größten Nachhaltigkeitsbanken die Zelte in Deutschland abbricht ist ein deutliches Signal: Nachhaltige Investments sind unter Druck. Dennoch ist es sinnvoll, gerade jetzt auf Kurs zu bleiben – insbesondere wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Und das nicht nur aus ethischer Sicht.

Rüstung mit geringer Rendite

Insbesondere der Rüstungs-Hype an der Börse ist auch aus wirtschaftlicher Hinsicht fragwürdig. Es mangelt zwar nicht an Aufträgen, nachhaltige Cashflows wären aber nur zu erwarten, wenn die Waffen auch laufend zum Einsatz kommen. Das würde aber eher zur Vernichtung wirtschaftlicher Werte führen, wie wir aus zurückliegenden Kriegen wissen.

Tatsächlich häufen Rheinmetall & Co. mit ihren Investitionen erst mal erhebliche Schulden an, erzielen aber – entgegen verbreiterer Annahmen – nur eine geringe Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Dennoch werden diese Rüstungsfirmen zu Bewertungen gehandelt, die noch nicht mal die bekannten IT-Platzhirsche erreichen. Sollte sich vor dem Hintergrund wenig aussichtsreicher Kriege wieder mehr diplomatischer Sachverstand durchsetzen (was wünschenswert wäre) würden die aufgeblasenen Erwartungen wegschmelzen wie Schnee in der Frühlingssonne.

Der Rüstungshype basiert auf wirtschaftlicher Fehleinschätzung

Der Hype um Rüstungsunternehmen basiert auf wirtschaftlichen Fehleinschätzungen

KI ist überbewertet

Auch die Hoffnungen auf exzessive Gewinne am wachsenden KI-Markt scheinen nicht nur angesichts drohender chinesischer Konkurrenz (Siehe: DeepSeek-Schock) gelinde gesagt: übertrieben. Als die Oracle-Aktie einen Kurssprung machte, weil die Firma Aufträge zur Errichtung von riesigen Datenzentren verkündete, klang das nur auf den ersten Blick plausibel.

Die Aufträge kamen von Open AI, das gar nicht genügend Geld verdient, um die bestellte Rechenleistung zu bezahlen. Das Unternehmen hält sich nur mit Investitionen von Nvidia liquide und Nvidia verdient nur Geld, wenn die ganzen neuen Rechenzentren auch gebaut werden. Nachdem der Zusammenhang klar wurde halbierte sich der Oracle-Kurs schnell wieder.

Vom KI-Hype profitieren zwar zunächst diejenigen, welche die Hardware für die Infrastruk-tur liefern. Aus dem Infrastruktur-Boom können aber in wenigen Jahren teure Abschreibungsfälle werden, wenn die erhofften Geschäftsmodelle mit KI-Anwendungen weniger Rendite bringen als erhofft. Und davon wären neben Oracle auch die ganzen anderen großen sogenannten Hyperscaler betroffen, die heute den Index des Aktienmarktes dominieren, also: Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft.

KI ist kein wirtschaftlicher Selbstläufer. Die Euphorie um Künstliche Intelligenz blendet insbesondere aus, dass hier vielfach kannibalistisches Wachstum innerhalb der IT-Branche stattfindet. Das heißt: KI gräbt anderen digitalen Geschäftsmodellen das Wasser ab.

Auf Kurs bleiben

Definitiv nicht spekulativ bleibt die Tatsache, dass wir auf Dauer nicht gegen unsere natürlichen Lebensgrundlagen anwirtschaften können. Aus vergangenen historischen Epochen wissen wir auch, dass zunehmende soziale Verwerfungen zwar oft Konflikte und Kriege mit sich bringen, aber selten nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle.

Deshalb sind alle vernünftigen Anlegerinnen und Anleger gut beraten, in Sachen Nachhaltigkeit auf Kurs zu bleiben – bei allen Übertreibungen und Fehlentwicklungen, die es auch im nachhaltigen Anlagemarkt in den vergangenen Jahren gegeben hat. Edelmetalle sind sicherlich eine sinnvolle Beimischung in einem Anlageportfolio. Sie bleiben aber unproduktiv und tragen wenig zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft bei.

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